Tapetentüren und Spiegelschminke
bringen dich auf neue Ebenen,
gibst verschiedenen Räumen die Hände
in die Klinke,
kannst mal wie ein Deo rollen,
mal wie ein Ballon abheben.

Wie Tetris mit Luftlöchern oder auch
wie nasser Tabak klebt,
schmeckt der nächste Schritt:
kuchenfein, astrein, unverbraucht,
wetterfest, deluxe und entkernt
betrittst du neue Tropfenkeller.

- Meilen vom Wasserhanhn entfernt.

bei Judith, Würzburg
8.2.2007 - 21:47

Warum dreht sich mein Raum immer upside down?
Warum hat mein Leben keinen Fußboden?
Warum mein geblühmtes Kleid keinen Saum?
Versuche mich
an der Raufasertapete festzuhalten,
streiche entlang, fange Treppenhauskriege mit mir an.
Anhalten, weitergehen, hinfallen, aufrichten, aufstehen.
Der Kreislauf an sich und der Flow
ist wohl die Konstante, an die sich mein Leben wandte.

in der FH, Würzburg
23.10.06 - 12:07

Wir kämpfen gemeinsam um das Verlorene,
verbündete Sünder,
verbündete Verschworene zur blauen Stunde.
Wir winden uns um Wunde und Wort,
gehen in die Tiefe, gehen fort, gehen ein und aus.
Wir trinken Wein, Martini und essen Krbissuppen.
Alte Schuppen bleiben uns nicht verborgen,
aber das Verlorene bleibt ein Geheimnis.

auf dem Fensterbrett, Würzburg
7.10.2006 - 15:
51

Der grau melierte Himmel thront schachbrettkarriert.
Schwarze und weiße Wolkenfelder.
Die gefallene Königin tanzt mit dem Pferd auf einer Motorhaube.
Das Stöhnen des Motors zieht durch die Wälder.
Was bleibt, ist der Glaube, rihtig oder verkehrt.

vor dem unbedeutenden Saal 2, Würzburg
3.10.06 - 18:47

übrigens
bin ich wie der september
renne nur durch die straßen
und über den rasen
als hätte ich keine tassen mehr im schrank
wanke über bilder
sehe überall nur noch schilder
die in alle richtungen zeigen
und mir damit das endziel verschweigen
der september treibt sich herum
trollt sich
kann sich für voll nicht mehr nehmen
weil er dem sommer wich
und den herbst nicht mehr einholt

auf dem Weg, Sanderring Würzburg
20.9.06 - ca. 14:49

"Erhebe die Stimme" war einst dein Rat gewesen.
Nun verwebe ich noch immer meine Sinne,
stehe in der Ecke wie ein alter Besen.
Kehre den Trottoir, kehre den Hof,
kehre mich in mich.
Betrachte das Noir des Kaffees,
kann den Boden nur erahnen,
weiß aber, dass er existieren muss.

in einer heißen, sternenklaren, griechischen Sommernacht
19.08.06 - 22:15

Schlafen Sie gut, schlafen Sie fein.
Ohne Wein, ohne Zerbrechen, ohne Kopf,
ohne Kopfzerbrechen,
ohne gebrochen zu sein. 

ein kleiner reim für die nacht
02.07.06 - 23:21

 

eine subversive offensive, abzielend auf den umsturz
der bestehenden ordnung.
ein ansatzpunkt, eine berührung ganz kurz.
subtile interventionen und suggerierte optionen,
immer mehr werden in immer größeren portionen.
unterm dach hervor, bevor ich mich selbst verlor,
denn ich will weiterhin in mir wohnen.

an d'oros tag der fremdwörter für offensive frauen
21.06.06 - 13:23

kennste noch unseren imaginären vw-bus
der raus in die welt muss,
um impressionen zu mehren,
um dem leben hingabe zu schwören?

kennste noch unseren imaginären vw-bus,
der voller lust umrunden muss,
vielleicht auch mit pannen
und wunden, aber nie ohne das
spannende leben zu erkunden
mit gaskocher und blechkaffekannen.

bei der jägersfrau in privatrecht
21.06.06 - 9:05

Die Uhr steht auf vier
und der Mond steht halb,
der Grund sind doch wir
und nicht der Martini,
der um die Ecke blitzt,
schier würden wir Unmögliches tun,
tatsächlich, vorsätzlich, und zärtlich
-wenn auch etwas beschwerlich-
ruh'n.

als Igitte da war, Würzburg
16.06.06 - frühs um vier.

 

Vor mir sehe ich einen VW Bus, nichts muss,
nur du und ein Kuss:
Einsteigen, Gas geben, die Welt zeigen, abheben.
Nichts denken, nur Freiheit riechen, fahren und lenken.
Die Richtung ist zwar nicht klar,
darübr hinaus aber weitaus mehr.

6.12.05 - 10:07

Das Selbstkonzept
ist wie ein Rezept einer versalzenen Suppe:
Regeln, Strategien, Systeme und Pläne
lähmen eigentlich nur die Plastikhände
der zuckersüßen und ach so... Puppe.

Der Soll- und Ist-Zustand verwildert
in einer Gewinn- und Verlustrechnung,
doch mildert bei weitem nicht das Erahnte
und Gekommene. Wie Benommene
gestern, heute und morgen.

mit Becci im Kult, Würzburg - jeder fühlte sich ertappt
01.02.06 - 19:25

Heute fahre ich meine kalten Hände im Bus spazieren,
sehe, wie sich die Menschen unter meiner Scheibe
im dunklen Lichtgemisch verlieren und am Leibe
frieren, so dass sie ihre Fäuste in den Taschen vergraben,
weil sie sonst nichts und niemanden zum Halten haben.

irgendwann im November 2005, wenn man mit dem Bus durch die Nachtstadt getragen wird

Die Atombomben-Kultur
übergeht die Moral unentwegt,
hält nicht an, schaut nicht auf die Uhr.
Die Grundausstattung von Gewissen
werden Sie zukünftig vermissen.
Denn auch Sie werden nicht anhalten,
werden die Basis nicht fürsorglich verwalten.

Genau Sie werden diese Gesetze klonen,
niemanden, ja, niemanden davon verschonen.
Katastrophenfantasien werden wahr, selbst
wenn Sie morgens aus dem Haus rennen
und schreien: "Kein Honig mehr da!"

mal wieder in PädaB ("verwilderte Menschen", siehe Gua und Donald Kellogg) - 14.11.05 - 17:51

Gestern fiel ich aus meinem Leben,
vernahm noch das Nachbeben in meinen Ohren.
Sah vor mir, wie wir uns schworen
einen Rahmen zu bilden und die wilden Stöße
zu glätten, als hätten wir nichts verloren.

Signifikant und galant bewegen wir uns
aufeinander zu und aneinander vorbei,
als sei es selbstverständlich
und unumgänglich konsistenzlos zu sein.

in Medizin 1 (Pause, ansonsten "Hirntod"
14.11.05 - 10:53

Schwarzer Kaffee ist tief
und als ich einen Schritt weiter lief,
begegnete ich deinem Schatten
während die Ratten im Kanal
sich einen lachten und ich den Schal
an meinem Hals etwas enger machte.

Plötzich blickten deine Augen
aus der schwarzen Brühe
und nur mit Mühe erkannte ich,
dass meine Bemühungen nichts taugen.
Also rührte ich um,
nahm den letzten Schluck,
verließ das Café

- bis ich dich wiederseh'.

in PädaB ("wie sich der Mensch vom Tier abgrenzt"
07.11.05 - 17:59

rundgang


von der verpeiltheit
versehrt,
von den türen in meinem kopf erschlagen,
von meinem kompetenten vorstand mit einem orden
geehrt,
und von gestern ins morgen getragen.
fange ich an mein tägliches abschweifen
wie luft mit den händen zu greifen.
gründe jeden tag eine neue welt
und kaufe mir wöchentlich aufs neue
fahrkarten für teures geld.
nur, um staubige uhren zu vergesssen.
nur, um abstand von mir selbst zu nehmen
und mich von außen zu betrachten.
nur, um das ausmaß zu messen.
nur, um all das festzuhalten,
was mich hält. halt an. wann
es soweit ist, weiß ich nicht.
ich bin schlicht, habe kein gewicht mehr
in meinem leben, bin also losgebunden.
und will keine steine
mehr aufheben. ich weine.
und streichle meine wunden.
besinge sie leis' und zeige ihnen
kochkunstauftritte sowie solo-laubschlachtsekunden.
ich weiß nicht, was das soll.
bin mit allerhand versehrt,
mit gutem und ebenso mit schlechtem.
sehe trotzdem kein ende, keine wende
und sehne mich für immer und immer mehr nach dem rechten.
jetzt habe ich mich verlaufen.
dabei kenne ich doch nur diesen einen rundgang.
eine führung für die einzige touristin,
(ja, ich besuche mich selbst)
die mich unaufhörlich terrorisiert.
immer im visier hat und mich willkürlich
verliert.

03.11.05

 

Grundstimmung

Deutschlad gibt sich auf,
an jeder Ecke glotzen zu Hauf'
entmutigte Gesichter. Alle kommen
früher oder später auf den Trichter,
dass etwas nicht mehr stimmt
und früher alles besser war.
Da breitet sich was aus in den Gemütern,
das alle Hoffnung nimmt.

Deutschland gibt sich hin,
dem Morgen ohne Zukunft.
Die täglichen Wege führen zum Amt.
Schritt für Schritt davon zurück
der Mut mal wieder schrumpft.
An den penetranten Plakaten vorbei,
bitte nimm mich an die Hand!
Will nicht stapfen im braunen Einheitsbrei!

Würzburg, Oktober/November 2005

 

langsam tunke ich die wolken in meinen kakao:
ich schreibe ihnen himmelsbilder zu,
mildere danach ihre umstände,
klatsche dann die weißen flecken an weiße
raufasertapeten-wände...bis ich mich nicht mehr trau’.

langsam ziehe ich die wolken durch meinen tee:
und seh’ schon bald das spiegelbild nicht mehr,
alles überlagert, alles nur noch weißer schnee.
kann mich nicht finden, fruchtstücke
fallen auf den tassenboden und schwinden dahin.
 

langsam gebe ich etwas wolken in meinen kaffee:
kann den löffel so oft drehen wie ich will,
der satz kommt nicht zum stehen, wird nie still.
die züge fahren hoch frequentiert weiter, unbeirrt
und  schnell – endstation,
bis der löffel auf die pfastersteine knallt und klirrt.

Würzburg, 26.10.05  -  00:49

 

Der Kuss klebt noch immer an der Scheibe.
Tag ein, Tag aus fährt er die gleiche Strecke ab.
Ihre Lippen an meinem Hals verblassen allmählich.
Immer wieder ein kurzer Schauer. Kein Regen,
nein, viel rauer, ein Zittern am ganzen Leibe.

 Geschwört hatten wir einander nie,
denn wir hatten nicht vor, etwas zu brechen.
Weder ein Versprechen, noch uns selbst.
So bleibt es bei den schönen Tagen,
weil uns nicht einmal das Stärkste zum Wagen wälzt.
 
Gekommen ist es so, wie wir es "wollten".
Keine liegt gebrochen da.
Beide gehn wir nun durch unsre Welten.
Voran und vorwärts, noch ein Stück.
Doch in manchen Sekunden bleiben wir stehn,
halten an und sehn in die Tiefe zurück.

14.08.05 - 1:23

Sieh mich an, fühl mich um, schnauf mich durch.
Verwende keine Filter.
Werd' dadurch nicht milder. Bin roh und rauh
schon immer.
Kneif mich an, dreh mich um, zieh mich durch.
Verwende keine Zangen.
Werd' dadurch nicht kühler. Bin Fleisch und Blut
schon immer.
Mach mich an, leg mich um, red mich durch.
Verwende keine Stimme.
Werd' dadurch nicht ruhiger. Bin laut und leise
schon immer.

Codsall Wood (England), 25.07.05 - 15:07
-nur so
-

The leaving

Tomorrow is the last day,
the last time I enter the gates.
I'm sad in every way,
especially missing my mates.

It's time to say Good-bye
...to fly, fly away from all.
All the things, the laughter, the cry.
I wish I could call from the hall
of silence.
 
Codsall Wood (England), 21.07.05 - 16:31
-Jess und ich haben mal wieder reingehauen, eine Kooperationsarbeit von und beiden. Heute ist ihr letzter Tag auf dieser Schule. Und ich ziehe auch in einer Woche von dannen.-

Es wird.

Erzähl mir von deinen Träumen.
Laufen sie wie Tränen über deine Wangen?
Klangen sie nur noch nach, ohne in den Bäumen
zu singen und ohne dir Erfüllung zu bringen?
Heiße, salzige Bilder in einem Tropfen vereint.
Stürzen Wasserstoffbrückenkonstrukte
in die Tiefe ohne Halt?

Setz dich auf, lehn dich an, nehm dich in die Hand!
Sieh, was noch alles werden kann!
Verfolge nicht den Gang Tag ein Tag aus.
Sehne dich nach Großem, aber mal dir kein Ziel.
Viel wird noch kommen, viel erschließt sich
aus dem Zufall heraus.
Meist ist es die eine Kornblume am Wegrand,
die das Lose rahmt und rändert,
das Dunkel umkehrt und verändert.

Codsall Wood (England), 21.07.05 - 10:03
-eine Antwort-

Schwacher Strichsinn

Das bin ich.
So stand ich da,
als ich von mir wich
und alles schien so klar.

So gerade wie ein krummer Strich.

Das bist du.
So standest du da,
als du mit mir gingst
und alles noch an Ort und Stelle war.

Alles gehört überall hin.

Das Pflaster auf die Wunde,
der Ring an den Finger,
der Mensch in die Runde,
der Mensch in den Zwinger.

Macht das denn Sinn?

Gerade erkannte ich noch
den krummen Strich,
als er alles und überall
als runder Ball die Welt
umrundete.
Mag sein, das war ich.

Codsall Wood (England), 20.07.05 - 12:14

six forty-five

6:45 and I'm still alive,
now it's time to kill myself with a knife.
6:46 making the mix,
so I can choke on the dough.
6:47 I have made it o heaven.
6:48 no more dates,
cos now I'm down in hell,
as far as I can tell.
6:49 I'm about to dine with the devil,
his real name is "Neville".
6:50 I'm feelin' fidgety,
cos I'm in my grave, I'm brave!

Codsall Wood (England), 18.07.05 - 18:45 (6.45 p.m.)
-ein 5 Minuten Gedicht von Jess und mir, naja, hauptsaechlich Jess*g*-

Ganz

Irgendwann schau ich über den Rand,
dann habe ich erkannt,
was es hieß,
als ich vor mir selbst verschwand,
und als ich mich von mir selbst
abstieß.

Irgendwann lass ich los,
lass von den Weiten doch nie ab,
beschwere und kehre mich gegen
das Gesetz - wie eine Heldin,
die lange irgendwo saß,
ganz entlegen.

Irgendwann sitz ich mit mir selbst
bei einem Glas Wein,
fang mit mir nochmal von vorne an,
ganz klein. Denn dann habe ich erkannt,
was es hieß,
als ich von mir selbst abließ.

Irgendwann
steh' ich mit mir selbst im Kreis
und weiß, was es hieß,
als ich leis' um die Ecke bog.
-der Koffer ganz dicht hinter mir-
Ein Sog, der mich mit sich zog.

Codsall Wood (England), 18.07.05 - 12:07

wartende warten in warteschlangen
oder einsam auf treppen.
die einsamen hoffen und bangen.
die in den warteschlangen jedoch
fuehlen nichts mehr,
stellen sich gerne hinten an,
wollen nur noch ihren mueden geist
einen meter weiter schleppen.

Codsall Wood (England), 11.07.05 - 22:31

Schnaufende Haufen

Veränderungen biegen um die Ecke,
biegen und verweigern so manche Neigungen,
bergen in sich das Anecken und Feststecken,
sich nach Unerreichbarem Strecken
- mit anderer Luft in denselben Lungen.

Veränderungen schnellen in die Höh’,
schießen in die Lüfte aus den Tiefen des Meeres,
mühelos, unbeschwert und leicht tönt es,
als gäb’ es keine Ungewissheit, keine Zweifel.
Kurz: nichts Schweres.

Veränderungen laufen wie feiner Sand
durch das Sieb „Der Lauf der Dinge“,
als blieb’ nichts stecken, als blieb’ kein Haufen,
als gäb’ es keinen Boden nimmermehr,
nur noch Wände, die sich wenden und schnaufen.

Codsall Wood (England), 11.07.05 - 9:27
-an alle schnaufende Fleischhaufen-
-90% des Hausstaubes ist abgestorbene Haut von Fleischhaufen, ein schoener Haufen-

Der Vogel steht im Wind,
als wolle er mit mir stehen.
Der Baum wiegt sich im Wind,
als wolle er mich wiegen.

Der Vogel zieht mit dem Wind,
das Blätterkleid lacht schief,
die Wurzeln fest im Boden.

Da falle ich um,
über mir der Himmel.
Sehe den Vogel fliegen ins Geäst
und den Baum ihn wiegen.

Codsall Wood (England), 07.07.05 - 10:21
-morgens an die Wand der Welt gestarrt-
-Such keinen Sinn darin, es ist sinnlos! Und ich mag mich sowieso nicht mehr lesen! Es will so viel raus aus mir, aber... aber... ach, nur Schrott!-

Der Protest-Sonnenstrahl

Einer hier, einer da.
Hier! Da! Hier!
Plopp. Wir.
Bald ist alles voll damit.
Kein Fleckchen ausgelassen.
Vierhundertsiebenundzwanzig.
Überlagerungen.
Die Welt hinter der Frontscheibe
kleidet sich in Regentropfen.
Jeder Tropfen ist ein Puzzleteil,
weil jeder das Recht hat hier zu sein.
Doch das Gesamtbild scheint verzerrt.
Die Welt hinter der Scheibe
auf der anderen Seite ganz und gar
- versperrt.

Codsall Wood (England), 04.07.05 - 19:53
Immer regnet es in meinem Kopf. Muss am englischen Wetter liegen. Grmpf.

nur ein paar zeilen...

ein dienstag abend im sommer
- durchlaucht.
er braucht nicht lange zum ertrinken.

ein dienstag abend im sommer
 - eingenommen.
erklommen den tag, um zu fallen.

er-trinkt und faellt in massen.

Codsall Wood (England), 28.06.05 - 20:51
ICH WEHE DIR, OH WEHE DIR...wenn dir die DOPPELDEUTIGKEIT nicht ins AUGE springt!

Der Schuh

Ich bin gerne kompliziert,
so dass man mich gerne mal verliert,
mich irgendwo liegen lässt
(weils leichter ist)
und dann wieder findet.

Wie ein alter Schuh aus dem See gefischt,
der mit veränderten Augen betrachtet,
plötzlich wieder in Mode ist,
wird er zurück ins Herz oder an den linken Fuß
verfrachtet - und zugeschnürt.

Niemand kann's verleugnen:
Komplikationen in millionenfachen Dimensionen
machen das Leben schwer.
Niemand weiß es:
Vielleicht bleibt der Schuh liegen auf dem Grund.
Ganz vergessen, dass er mal gut passte
und weite Wege mit dem Fuße machte.
Vielleicht treibt er auch hinaus ins Meer,
denn er liebt das leise Tuscheln der Millionen
von Schuhen und Muscheln so sehr?

Codsall Wood (England), 12.05.05 - 11:19
- aus mir innen heraus fuer alle Drinnen da drauß'!

Unsinnsreim (wenn man schon mal warten muss...)

Please queue here!
Stellen Sie sich doch an,
reihen Sie sich doch ein,
hinten fängt die Reihe an,
dann sind Sie auch bald dran!
Next please!
Please queue here!
Irgendwann, irgendwann.
Next please!
Ein Blick auf das Armgelenk.
Keine Uhr, trotzdem tickts!
Next please!
Nun kommen Sie heran!
Kommen Sie doch!
Treten Sie etwas näher!
Darf es sonst noch was sein?
Nein danke, kein Bedarf!
Einmal über den Tisch gezogen,
Piep.
Das war's.
Next please!

Codsall Wood (England), 09.05.05 - 14:55
- gerade aus Wolverhampton zurück.

Aus geschmeidigem Honig scheinen die Wolkenstraßen.
Aus süßem Wein scheint das Blut zu sein.
Aus weichen Federn scheint das Gras.
Aus schrillen Flöten scheinen unsere Stimmen
zu schreien aus Nöten.

Alle schreien und keiner weint.
Alles scheint und nichts ist.
Es reicht uns leider, wenn nur einer meint
und misst, sodass alle Welt vergisst,
was es bedeutet zu sein.

Codsall Wood (England), 11.04.05 - 19:51
Um genau zu sein zwischen Codsall Wood und Bishops Wood kurz vor der White Ladies (Ruine). Sonnenuntergang.

Mit dem Wind bin ich erwacht,
erkannte meine Hände nicht mehr als meine.
Was hatte er mit ihnen gemacht?
Um die Gelenke feste Schlingen gebunden
einer Leine.

Fort, hatte er mich geschoben! Fort!
Weg von dir in Richtung Unendlichkeit,
weg von den süßlich kitzelnden Fingerkuppen,
weit weg von dir an einen vergessenen Ort.
Oh, du meine!

"Meine" Hände sprechen nun in lahmen Gebärden,
als seien es Klumpen an Stecken gebunden.
Mit dem Wind bin ich erwacht.
Wissend, ich muss mich gegen ihn lehnen
und ziehen in die Schlacht.

Codsall Wood (England), 5.4.05 - 23:14
Nachts, im Bett. Hin- und hergewaelzt, sowohl meinen Koerper als auch die ersten beiden Zeilen. Der Rest kam gleich hinterher gesprudelt... sonst wäre ich ertrunken - nachts, im Bett.

Geisterfahrer

In meinem geheimen Leben
falle ich manchmal in mich selbst hinein,
verlier' meine Hand, möcht' schrei'n!
"Ignorier einfach das Seelenbeben!"

In meinem geheimen Seelenbeben
finde ich Wege nach Überall
und erschüttere die anderen Welten
mit meinem lachenden Schall!

In meinem geheimen Überall
laufe ich gegen 1000 Spiegel.
Alles sieht gleich aus,
auch in den anderen Welten
wird Aldi nicht zu Lidl.

In meinem geheimen Lidl
kaufe ich Schokolade, alle Regale leer.
Süß und bitter, so soll sie sein.
Mehr Schokolade, bitte! MEHR!

In meinem geheimen Sein
finde ich mein Geheimnis,
weder im Lidl, noch in Schokolade,
auch nicht im Telefonverzeichnis!

In meinem geheimen Sein
finde ich, so glaube ich,
den ganz normalen Wahnsinn
eines Geisterfahrers,
der eigentlich nur nach Hause will

- ohne Telefonanschluss-

Codsall Wood (England), 15.03.05 - 20:59

Mir ist so,
als müsse ich mich beschweren,
schlagen, stoßen, kratzen.

Mir ist so,
als müsse ich kotzen,
mich entgiften, erleichtern, entleeren.

Du machst mich leicht,
einzigartig, wertvoll, groß und reich.

Du bist durch mich.
Und ich bin durch dich.

Codsall Wood (England), 01.02.05 - 21:54

Vergangenheiten heute

Wir fallen hinein wie ein Stein
in die wässrigen Bilder,
ziehen unsre Kreise
und sehen die Ängste nun milder.
Und auch irgendwie leiser.

Wir tauchen ein in die wässrigen Bilder,
sehen uns mal hier und mal dort,
schweben wie nicht definierte Dinge
hinter dem Fliederbusch ueber den Zebrastreifen
von Ort zu Ort.

Die wässrigen Bilder zeigen -ganz eigen-
in verschwommenen Farben
die Vergangenheiten heute
ganz gewöhnlicher Leute
mit ihren ganz gewöhnlichen Narben.

Die Vergangenheiten zeigen sich -
in wässrigen Bildern heute.
Und wenn das Wasser verdampft,
bleiben nur die Farben liegen.
[zwar blass, aber unverkrampft]

Codsall Wood (England), 01.02.05 - 20:43

Die Sonne färbt die Wolken gelb, die Pfütze steht schon den halben Tag, das Gestrüpp und das Gelb vermischen sich darin.

Milde ruht ihr Blick.
So tief ihr Blick im Sinn versunken,
so dass alle Sinne
des Durchdrungenen trunken!

Ihre Augen streicheln.
Das Unnahbare kommt näher,
wird nah.
Und die Oberfläche,
die sonst so hart war,
bricht auf und zeigt
- ungeahnte Schwäche.

Ihr Atem wandert leise,
setzt sich sanftmütig
und hält auf ganz seltsame Weise
das Innere fest.
- mich. Ganz fest.

In ihrem Bann bewege ich mich,
auf ihren Lippen tanzen meine!
Kaum zu glauben heute,
wie sie sich damals
... in mein Leben schlich.

Codsall Wood (England), 20.01.05 - 19:24
---für Maja---

EINE HOMAGE AN DIE JUGEND!

Es war einmal -und ist nochmal?

jetzt und damals
als wir noch die cola-dose
ueber die straße kickten

jetzt und damals
als wir noch ohne verstand
und mit viel liebe fickten

jetzt und damals
als wir noch am bahnhof saßen
um die busse stöhnen zu hören

jetzt und damals
als wir noch stumm nebeneinander
hergehen konnten ohne zu schwören

jetzt und damals
als wir noch die überlangen grashalme
am straßenrand bewunderten

jetzt und damals
als wir noch die alten greise
auf der parkbank mit goethe verwunderten

jetzt und damals
als wir den schwarzen kaffee
noch ohne milch tranken

jetzt und damals
als wir noch visionen hatten
die im sand versanken

jetzt und damals
als wir noch das ziehen im bauch spürten
wenn wir pflastersteinen gesichter malten

jetzt und damals
als wir noch gemeinsam an etwas zogen
und dabei mit der zukunft prahlten

damals und jetzt
als wir noch anders waren
mit uns selbst.

Codsall Wood (England), 6.1.05 - 15:31 Uhr

Es sind nicht mehr wir,
die mit großen Kinderaugen
voller Spannung und Erwartung
den Worten des Christkinds lauschen.
Die Geschichte ist alt bekannt.
Nun sind wir groß und wissen es,
wissen es immer und grundsätzlich besser,
haben den Weihnachtszauber längst enttarnt.

Doch um Eines möcht' ich Euch doch bitten,
Ihr da draußen:
Im offenen Raum, der da Erde heißt,
soll Liebe hausen!
Gebt den Kindern den Zauber zurück,
den wir einst schmeckten!

Kerzenschein und auch Tannenduft,
Weihnachtsbäckerei und Schneeballschlacht,
Punsch mit Zimtsternen
und die Weihnachtsgeschichten,
die von kleinen Wundern berichten.

Und Ihr werdet sehen:
Die Ich-hab'-keine-Zeit Menschen,
sowie die alten, müden Gesichter
werden wieder erstrahlen
wie einst - entgegen der Lichter.

Codsall Wood (England), 13.12.04: Vielleicht etwas kitschig... aber mir war einfach danach etwas über Weinachten zu schreiben. Passte ja  zu dem Zeitpunkt auch irgendwie in die Zeit ;-)

Ist die Welt bereit?
Bereit für mich?
Mich aufzunehmen in sich
- ewiglich?

Die Seelen sind weit
und auch weit verteilt,
doch die Gedanken sind eng.
Und die Augen wie Schlitze
greifen das weiche Fleisch,
starren geordnet und streng.

Bin ich bereit?
Bereit für diese Welt?
Einzubrechen in die Ordnung,
die alles hält?

Hinein geschmissen
treibe ich mit dem Strom.
Tauche unter, tauche auf,
von oben eine Welle,
von links eine Faust.
Verschlucke Worte
und auch das Lachen
verlässt mich und kehrt zurück
an seinen früheren Orte.

Ich friere.
Ich war nicht bereit.

Codsall Wood (England), 5.10.04 - 14:53 Uhr

Golden rauschen die Blätter vor sich hin.
Hektisch, gezwungen, getrieben.
Oder doch frei? Geblieben
scheint ihnen nur der Wind.

Die Erde dreht sich weiter und
weiterhin heiter stürzen die Schwalben
in die Tiefe, als liefe der Mensch
ins Leere und kehre nicht mehr zurück.

Wo soll er auch hin?
Kalte Füße tragen nicht,
obwohl das Licht sich entfaltet
und scheint in sein Gesicht.

Wer sagt ihm, was recht,
was falsch? Wer Herr, wer Knecht?
"Luise, lass...
das ist ein zu weites Feld!"
sprach einst und spricht noch immer
jemand Gescheites oder das Geld.

Es sei die Tiefe der Stimme
oder die Flachheit eines stillen Sees,
welche uns rauben die zweifelhaften
und so oft angezweifelten Sinne.

Bei ihm liegt der Sinn im Siegen.
Bloß im stillen Betrachten
kann er die Reinheit erachten,
welche ihm bleibt zu oft verschwiegen.

Aus "Der Mensch und das Drumherum an sich" ;-)
- verfasst am 15.08.04 mit kalten Füßen auf Majas Bett, Chemnitz.

Jetzt ist es vorbei
dabei war es doch so schön
wissend aufzuwachen
und sicher zu sein.

Jetzt ist es vorbei
die letzten Halme fliegen
die Lider der Augen sind schwer
trotzdem will ich nicht liegen
will nicht vergessen!
will mich erinnern!

Jetzt ist es vorbei
manche mit
und manche ohne Ziel
gehen wir den Weg,
der gegangen werden muss
zu Fuß?
- erreicht haben wir viel.

Jetzt ist es vorbei
wir stehen zusammen wie Pinguine,
um zu beschützen den harten Kern
die Wehmut angeschwemmt
wie eine Lawine.

verfasst am 30.06.04 um 10:30 nachm Abistreich
-auf dem Schulhof, Gymnasium Weikersheim.

Der Weg vor mir schimmert.
Die Grenzen neben mir
sind nicht mehr zu erkennen.
Alles verschwimmt vor meinen Augen.
- alles flimmert.
Alles in mir vernimmt die seichte Weite.

Es kommt.
Es kommt nichts mehr zurück.
Alles kommt nur noch auf mich zu.

25.06.04,  23:48  bdeutet: kurz vorm schriftlichen Abi

Der Tag stirbt -
leise im Nichts verschwindet,
er die Stille in sich birgt,
sich mit dem Nichts verbindet.

Der Tag stirbt -
und die Winde mit ihm wehen,
die Menschen in die Tiefe stürzen,
die Wolken mit ihm gehen.

Der Tag stirbt -
und weiter leben die Sorgen,
die Tränen mit ihm fließen,
die Trauer bleibt tief im Dunkel verborgen.

Der Tag stirbt -
die Nacht gewonnen,
das Tageslicht an Kraft verloren,
im Nichts zerronnen.

Der Tag stirbt -
der Erdboden kahl geworden,
alle Stimmen in sich aufgesogen,
die Sonnenkinder in der Kälte längst verloren.

...meine Welt

Es ist nicht mehr meine Welt,
alles verloren, nichts was mich noch hält.

Einst ich an diesem Orte, in ihrer Mitte immer lachte,
und nun mich oftmals schon zum Weinen brachte.
War es doch so friedvoll, wie fühlte ich mich dort geborgen,
doch nun tritt ein das befürchtete "morgen".

Verschwommene Bilder in der roten Glut,
eine Träne, die auf meiner Wange ruht.
Flammen, tanzend in die Nacht hinein,
und ich kann nicht mehr mit ihnen sein.

Versteinerte Erinnerungen in meinem Spiegelbild,
eine fließende Schwäche, die in mir quillt.
Sie sitzen da und schweigen mich an,
keiner, der mir noch in die Augen sehen kann.

Rauschende Blätter, im Wind auf sich aufmerksam machend,
glasige Augen mich nicht beachtend.
Ihre Hände liegen kalt auf meiner Haut,
erschien diese Berührung doch früher so vertraut.

Stumme, starre Blicke, die schmerzvoll ihren Weg in mich finden,
Kräfte und Hoffnungen, die Blick für Blick schwinden.
Eine tiefe Schlucht zwischen ihnen und mir entsteht,
keiner, der meine Angst wahrnimmt und versteht.

Es ist nicht mehr meine Welt,
alles verloren, nichts was mich noch hält.
Du bist meine Welt,
das, was mich noch am Leben hält.

Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht!
Wenn dein Haupt wird erblassen,
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen,
in meinen Arm und Schoß.

Tja, jetzt muss ich euch (euch? sieht sich das eigentlich überhaupt irgend jemand  an?) enttäuschen. Dies ist eine Strophe aus einem Lied, aus einem Passionslied. Es steht im evangelischen Gesangbuch. Mir haben diese Worte auf Anhieb gefallen, obwohl ich noch nie die dazugehörige Melodie hören konnte. Aber nächstes Ostern bietet sich ja vielleicht mal die Gelegenheit dazu.

 Die Stimme stirbt -
jeglicher Ausdruck wird zur Vergangenheit,
das Fleisch die Stille in sich birgt,
das Innere nach Vergeltung schreit.

Die Stimme stirbt -
die Lippen ihre Form verlieren,
endlose Leere den Körper füllt,
Worte darin aufgesogen.

Die Stimme stirbt -
tote Silben aus den Augen brechen,
stumme Schreie aus dem Herze stoßen,
spitze Knochen aus dem Gesichte stechen.

Wenn die Stimme stirbt -
und Hände reden könnten,
dann befänden sich all die sanften Worte
in zärtlichen Händen.

24. September 2001: Ich weiß nicht, wem ich das Gedicht schon gezeitgt habe und wem nicht. Aber an eine Reaktion kann ich mich noch erinnern. "Ich verstehs nicht, was bedeutet das?"

Eine Zugfahrt Das letzte Mal in deine Augen schauen,
das letzte Mal deine Hand halten.
Ein schriller Pfiff die stickige Bahnhofsluft ausfüllt,
schmerzvoll in meine Ohren eindringt, es mich durchzuckt.
Die mächtige Türen des Zuges zuschlagen,
diese Schläge mein Herz erschüttern lassen.
Schwerfällig sich die Räder in Bewegung setzen.
Ich von dir wegtreibe, so hilflos,
unsere Hände sich voneinander lösend.
Sehe dich noch, und deinen schweren Schritt.
Ich bloß regungslos dastehe, es kaum fassen kann.
Schneller und entschlossener werden die Umdrehungen der Räder,
einsamer meine Hände, kälter meine Haut.
Benebelt ich mich in den Sitz gleiten lasse.
Treibend, jede Welle mich weiter weg von dir treibt, treibend!
Mein ganzes Ich nach dir schreit!
Und wenn ich noch so hektisch mit meinen Armen rudere, wild um mich schlage,
meine Hände dich doch ergreifen wollen,
...die Räder rollen unaufhaltbar,
Wasser über mich schwappt, es von allen Seiten auf mich einstürzt.
Das Wasser, ich schlucke, schlucke, schlucken muss,
es die Luft um mich und in mir verdrängt! Atemnot!!!
So ich es hinnehmen muss, und nichts dagegen tun kann.
Ein blitzendes Rot mein Blick ergreift! Die lang ersehnte Hilfe? Die Lösung für all das?
Die Notbremse! Sinnlos! Zwecklos! Ein schwachsinniger Gedanke!
Der Blick aus dem Fenster schweifend.
Eine Welt an mir vorbeirauscht, und rauscht und rauscht! Ein Rausch!
Ein einziger Rausch, eine schummrige Welt, nur noch zerfließend in Farben!
Ein Existieren, vor mich hinleben...ohne dich!
Ohne dich – die Sonne nicht mehr strahlt, nur noch gezwungen und leidig ihr Licht abgibt!
Ohne dich – die Wolken nicht mehr blühen, nur noch kraftlos vom eisigen Wind getrieben werden!
Ohne dich – jedes Wort zu viel ist. Jedes Wort, dass nicht dir gehört, eine Verschwendung!
Ein schöneres Ende ich hier nicht finden kann. Wieso? Es gibt keines!

-2001-

Von deiner Wärme getragen,
wie die Eisschollen vom Wasser.
Doch nicht mehr lange treiben sie so dahin.
Bald werden sie schmelzen...
und mit dem Wasser EINS sein.

-2001-

Swimming in an ocean of feelings,
flying through the clouds,
feeling the rain drops on the skin,
touching the soul,
living in your heart.


Leider weiß ich nicht mehr genau, wann ich diese Zeilen niedergeschrieben habe. Es muss wohl Anfang des Jahres 2001 gewesen sein - frisch verliebt. Auf jeden Fall war es in einer langweiligen Unterrichtsstunde, bestimmt Gemeinschaftskunde. *g*